Matzingen


                          Anwendung der Phytotherapie

Bei schweren oder chronischen Erkrankungen sollte man Pflanzenheilmittel erst nach der Abklärung durch den Arzt und mit dessen Einverständnis anwenden! 

Die Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) bezeichnet eine Methode zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten durch Pflanzen in Form von Heiltees und Tinkturen, aber auch durch Inhalationen, Säfte, Wickel, Bäder, Auflagen, Salben oder Tabletten und ist Teil der Naturheilkunde. Die Phytotherapie gehört zu den ältesten medizinischen Therapieformen und ist in allen Kulturen beheimatet. Im Unterschied zu schul-medizinischen Arzneimitteln pflanzlicher Herkunft, die vielfach aus isolierten Pflanzeninhaltsstoffen bestehen, handelt es sich bei Phytopharmaka stets um die ganze Pflanze oder Pflanzenteile (Wurzeln, Blätter, Rinden, Blüten, Knospen). Von allen Zweigen der Alternativmedizin steht die Phytotherapie der Schulmedizin am nächsten, da beiden grundsätzlich der gleiche naturwissenschaftliche Ansatz zugrunde liegt. Wie alle alternativen Methoden konzentriert sich die Naturheilkunde, trotz unterschiedlicher Ansätze, auf einen gemeinsamen Nenner, nämlich auf das Bestreben, den Menschen als Individuum wahrzunehmen. Ziel ist es, die Selbstheilungskräfte des Organismus zu stärken und damit das körperliche und seelische Gleichgewicht zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Der Patient lernt, durch eine gesunde Lebensführung die Signale seines Körpers besser wahrzunehmen und Schritt für Schritt die Verantwortung für sein Handeln und seine Gesundheit zu tragen.

Auch hierzulande entwickelte sich die Phytotherapie im Laufe der letzten Jahre zu einer wissenschaftlich fundierten Medizinrichtung, die von Ärzten genauso wie von Naturheilpraktikern eingesetzt wird.

Zu naturheilkundlichen Heilmitteln gehören (nach einer Definition von Alfred Brauchle, 1952) die Sonne, das Licht, die Luft, die Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, die Kälte, die Erde, die Atmung, die Gedanken, die Gefühle und Willensvorgänge. In einem weiter gefassten Verständnis werden auch „natürliche“ Arzneimittel, vor allem Heilpflanzen und deren Zubereitungen einbezogen.

Unsere Naturheil- und alternativen Verfahren haben einen sogenannten ganzheitlichen Ansatz, das heißt, sie versuchen, die gestörte Harmonie des gesamten Organismus wieder ins Gleichgewicht zu bringen, wobei sie den Anspruch haben, nicht nur den Körper zu erfassen. Sie stellen Bedingungen her und regen Prozesse an, aufgrund derer eine Gesundung des Organismus aus sich selbst heraus möglich wird. Therapieziele sind die Anregung der Selbstheilungskräfte durch naturgegebene Einwirkungen von Naturheilmitteln sowie die Anleitung und Förderung zur Übernahme von Eigenverantwortung durch den Patienten. 

Das Sammeln und Zubereiten von Heilpflanzen benötigt ein fundiertes Wissen, denn je nach Pflanze ist der Wirkstoffgehalt abhängig von der Jahres- oder Tageszeit, während der die «Ernte» erfolgt. Auch muss man genau wissen, ob man von einer Pflanze die Blüten, die Blätter oder die Wurzeln benötigt. (Kräuterfachexperte- Herbalist)

Die Zubereitungsweise richtet sich nach den Inhalts- bzw. Wirkstoffen, welche man aus den Pflanzenteilen (vor allem) extrahieren möchte. Die Art der Zubereitung kann entscheidenden Einfluss auf die Wirkungsweise ein und derselben Pflanzenart haben.

Man kann sehr viele Beschwerden mit pflanzlichen Mitteln behandeln. Auch zur Vorbeugung von Krankheiten ist die Pflanzenheilkunde geeignet. Leichtere Beschwerden können unter Umständen über kurze Zeit allein mit pflanzlichen Produkten behandelt werden, beispielsweise:

  • Erkältungen (Inhalation mit ätherischen Ölen oder Trinken von heilenden Tees)
  • Nervosität (Baldrian oder Hopfenzapfen)
  • kleinere Wunden (Arnika)
  • Verstopfung (Feige)
  • verschiedene Hautprobleme (Eichenrinde)

Techniken der Phytotherapie

Die Pflanzenheilkunde kennt verschiedene Zubereitungsarten der Heilmittel. Diese können innerlich oder äußerlich angewendet werden:

  • Tee, sowohl zum Trinken als auch zum Spülen und Gurgeln

Infus: Pflanzenteile werden mit heißem bzw. kochendem Wasser übergossen und nach einer bestimmten Ziehzeit abgeseiht.

Dekokt: Pflanzenteile werden in Wasser gekocht und dann abgeseiht, vor allem bei Wurzeln oder kieselsäurehaltigen Pflanzen.

Mazerat: Pflanzenteile werden mit kaltem Wasser aufgegossen und nach einer bestimmten Zieh-zeit abgeseiht, zum Beispiel bei schleimstoffhaltigen Pflanzen, da Schleimstoffe hitzeempfindlich sind.

Mischformen: Pflanzenteile werden beispielsweise mit kaltem Wasser aufgegossen, stehen gelassen und anschließend ausgekocht (Mazerationsdekokt).

  • Frischsäfte aus frischen Pflanzenteilen zum Einnehmen
  • Tinkturen. Dabei werden frische Pflanzen zum Beispiel mit Alkohol übergossen und nach mehreren Tagen filtriert. Tinkturen kann man zum Bepinseln von erkrankter Haut oder Schleimhaut verwenden.
  •  Aufgüsse aus Kräutern zum Inhalieren des Dampfs

siehe oben(Tee)

  • Fertigarzneimittel, zum Beispiel aus Trockenextrakten einer Pflanze in Form einer Tablette.

Ölauszug: Als Auszugsmittel dienen pflanzliche Öle. Der Auszug kann warm (bis 70 °C) oder kalt durchgeführt werden (für äußerliche Anwendungen oder zur Salbenherstellung).  

Salbe: Pflanzenextrakte können zur Salbenherstellung verwendet werden. Dabei kommen synthetische oder natürliche Grundstoffe zum Einsatz (beispielsweise Bienenwachs). Wenn verschiedene Phasen verwendet werden (wässrige Auszüge, alkoholische Auszüge, Ölauszüge), muss meist ein Emulgator zugegeben werden. 

Gel: Gele können beispielsweise aus wässrigen oder verdünnten alkoholischen Extrakten hergestellt werden, und zwar mit Hilfe von Gelbildnern (beispielsweise Xanthan). 

Perkolat: Pflanzenteile werden von einem Menstruum (Lösungsmittel) durchsickert, wobei das Menstruum kontinuierlich nachgeführt wird. Durch das Verfahren der Perkolation wird ein Lösungsmittelgleichgewicht unterbunden. Die vollständige Auslösung von Inhaltsstoffen ist hierdurch möglich. Bekanntestes Beispiel für ein Perkolat ist der Filterkaffee.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe und Wirksubstanzen der Heilpflanzen lassen sich unterteilen in:

  • Bitterstoffe zur Stärkung des Körpers und bei nervlicher Anspannung (zum Beispiel Wegwarte, Hopfen, Engelwurz :)
  • ätherische Öle gegen Infektionskrankheiten (zum Beispiel Thymian, Rosmarin, Pfefferminz)
  • Alkaloide gegen Herzbeschwerden und Schmerzen (zum Beispiel Tollkirsche***, Mohn, Chinarinde)
  • Gerbstoffe bei Entzündungen und kleineren Blutungen (zum Beispiel Frauenmantel, Schwarztee, Heidelbeere)
  • Glykoside gegen Herzbeschwerden (zum Beispiel Roter Fingerhut***)
  • Saponine gegen Husten und Störungen der Harnwege (zum Beispiel Schlüsselblume, Birkenblätter)
  • Schleimstoffe gegen Entzündungen der Atemwege und des Magen-Darm-Trakts (zum Beispiel Königskerze, Eibisch). 

Pflanzliche Heilmittel sind in diesen Fällen zum Beispiel geeignet bei:

  • Rheumatischen Beschwerden (Teufelskralle)
  • chronischer Bronchitis (Thymian)
  • Bluthochdruck (Knoblauch) 



*** Giftpflanzen