Matzingen

Wegwarte

Gewöhnliche Wegwarte - Cichorium intybus


Botanik
30 - 130 cm hoch. Der steife, kantige, aufrechte Stengel ist sparrig verzweigt. Die gestielten unteren Blätter sind gezähnt oder auch tiefer in dreieckige Lappen geteilt. Die oberen, ungestielten Blätter sind Stängelumfassend. Die Blütenköpfchen stehen in Gruppen zu zweit oder dritt in den oberen Blattachseln. Die leuchtendblauen Blüten sind alle in eine Fünf zahnige Zunge ausgezogen. Die Frucht trägt keine Haarkrone, sondern nur einen Ring zerschlitzter Schuppen.

Familie
Korbblütler (Asteraceae)
Vorkommen
Europa mit Ausnahme der arktischen und subarktischen Gebiete verbreitet, außerdem in Nordafrika, Vorderasien, in Sibirien bis zum Baikalsee; eingeschleppt in Ostasien, Amerika, Südafrika, Australien und Neuseeland. 
Standort
Sie wächst auf Ruderalstellen wie Bahndämmen, Schuttplätzen und an Wegrändern.
Phytotherapie:
Verwendete Pflanzenteile
getrocknete Wurzel (Cichorii radix - Wegwartenwurzel),Zichorienblätter
Sammelzeit
Verwendet wird die im Herbst gesammelte. Die Droge des Handels stammt aus Wildsammlungen aus Polen und Russland.

Inhalt-/Wirkstoffe
bittere Sesquiterpenlactone, Cumarine, Phenolcarbonsäuren und Inulin.
Anwendung bei
Anerkannte medizinische Anwendung
Das HMPC hat Wegwartenwurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe "Traditionelle Anwendung").
Kommission E: bei Appetitlosigkeit und Magen-Darm-Beschwerden.
Traditionelle Anwendung
Wegwartenwurzel wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Wegwartenwurzel bei leichten Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Flatulenz und verzögerter Verdauung sowie bei zeitweilig auftretender Appetitlosigkeit angewendet werden.
Sonstiges:

Für die Anwendung von Wegwartenwurzel während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor. Für eine Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren reichen die Erkenntnisse noch nicht aus.

Sagenhaftes/Mythologie
Um die Wegwarte ranken sich viele Bräuche und Rituale der Sympathiemedizin, einer Medizin, die abergläubische Elemente mit heilkräftigen Anwendungen verknüpfte. Die bereits in vorkeltischer Zeit verehrte Pflanze, galt als Verkörperung der Vegetationsgöttin. Der Legende nach war sie die Frau des Sonnengottes, nach dem sie mit ihren blauen Augen Ausschau hielt, während er am Himmel seine Bahn zog. Der Sonnengott besaß die Gestalt eines Hirsches. Mit einem Hirschgeweih ausgegrabenen Wegwarten maß man folgerichtig die stärksten Wirkungen zu.
Die christliche Mythologie ordnete die Wegwarte den Pflanzen zu, die der Passion Christi entsprachen. Sie ist etwa Bestandteil der Kräuterbüschel, die zu Maria Himmelfahrt gebunden werden.
Alte Zauberpflanze Wegwarte
Schon bei Plinius ist von der Zauberkraft der Wegwarte zu lesen. Rieb man sich etwa mit einem Gemisch aus dem weißen Saft und Öl am ganzen Körper ein, so sollte das die Beliebtheit steigern und man könne alles bekommen was man wollte.
Am Johannistag, mit goldenem Werkzeug, in einem besonderen Ritual ausgegrabene Wurzeln, galten als Unglück abwehrend.
Mit Wegwart-Wurzel unter das Kopfkissen gelegt, ließ sich einen Dieb im Traum entlarven.
Vor allem der weiß blühenden Wegwarte traute man magisch Kräfte zu. Ihre Wurzel galt als schutzmagisch gegen Gefahren und Verletzungen. In einem alten Zauberbüchlein heißt es dazu:
"Wie dieses gewächs in ihrer Kraft und Wirkung gegraben wird, so kann sich darmit verwahret werden wider alle seine Feinde, es seye im Sturm oder sonsten in einer Action, du kannst alle Kugeln abweisen, und wann dich einer gleich mit dem Degen wollte hauen oder stechen, so wird ihm sein Schwert oder Degen in Stücken zerspringen, und nirgends schaden können, auch kann man dich nicht mit Stricken binden, da sie entzwei gehen wie ein Faden."
Wegwarte sollte sogar die Fähigkeit besitzen, ihren Träger unsichtbar zu machen. Ein Aberglaube, der ins Auge gehen konnte!
Die weißen Blüten unter das Leinentuch einer Schwangeren gelegt, sollten bei der Geburt helfen.
Liebeszauber mit Wegwarten
Die Wegwarte wird mit einigen Liebeszaubern in Verbindung gebracht. Um sich etwa die Treue des Ehemanns zu sichern mischten eifersüchtige Frauen pulverisierte Wegwarte in das Essen des Gemahls.
Eine Wegwarte, nach einem besonderen Ritual getragen und unter das Kopfkissen gelegt, sollte jungen Mädchen ermöglichen den Zukünftigen im Traum zu erblicken. Ein Aberglaube, der ich bei verschiedenen Kräutern findet.
Als Zutat von Zaubertränken, galt Wegwarte als hilfreich, um die Aufmerksamkeit eines Mannes zu gewinnen.
Wegwarte in der Sympathie-Medizin
Unter besonderen Ritualen gegrabene Wurzeln der Wegwarten, sollten gegen Warzen und Gelbsucht helfen können. Eine Anweisung lautete etwa:
"Grabe vor Sonnenaufgang die Wurzel der wilden Cichorie aus, schabe selbige, presse sie aus und nimm den Saft mit Zucker. In das Loch der ausgegrabenen Pflanze lasse deinen Urin und scharre das Loch wieder zu."
Wesen der Pflanze/Signatur
Die Kraft des Jetzt, Ja zur Gegenwart, Treue

Nebenwirkungen
Keine bekannt